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KI-Update kompakt · heise.de

KI-Verbot schadet Studierenden mehr, als es nützt

Eine zweijährige Studie der Vrije Universiteit Amsterdam zeigt: Wer Studierenden den Zugang zu ChatGPT verwehrt, verschafft ihnen keinen Vorteil — im Gegenteil.

Gestaltet in den Basisfarben und der typografischen Anmutung des Corporate Design Baden-Württemberg (Grundlage: design.landbw.de). Keine offizielle Publikation des Landes. · Quelle: heise.de, „KI-Update kompakt“
Überblick

Drei Gruppen, ein Experiment

01  Kein Zugang

Diese Gruppe durfte ChatGPT während der gesamten Übung nicht nutzen.

02  Fertige Vorschläge

Diese Gruppe bekam KI-Lösungsvorschläge vorgesetzt — ohne Erklärung, wie sie entstanden.

03  Trainiert

Diese Gruppe erhielt vorab ein gezieltes Training im Umgang mit ChatGPT.

Ausgangslage

Der Auftrag: einen EU-Gesetzestext verbessern

Der Rechtswissenschaftler Thibault Schrepel (Vrije Universiteit Amsterdam) ließ seinen Jura-Kurs zwei Jahre in Folge denselben Auftrag bearbeiten: einen Paragrafen des EU-KI-Gesetzes zu verbessern. Am Ende schrieben alle Studierenden dieselbe Prüfung — ganz ohne KI-Hilfe.

2 Jahre
Laufzeit der Studie
3 Gruppen
mit unterschiedlichem KI-Zugang
1 Prüfung
identisch für alle, ohne KI
Station 01

Verbot bedeutet letzter Platz

Über beide Studienjahre hinweg blieb ein Befund konstant: Die Gruppe ohne jeden KI-Zugang landete in der abschließenden Prüfung immer auf dem letzten Platz.

Letzter Platz
für die KI-freie Gruppe — in beiden Jahrgängen
Station 02

Fehler aus dem Unterricht verschwanden

Überraschend war das Ergebnis der Gruppe mit fertigen KI-Vorschlägen: Im Unterricht übernahm sie deren Fehler oft unkritisch — in der Prüfung wiederholten sich diese Fehler jedoch nicht.

Im Unterricht

Vorschläge des KI-Systems werden häufig ohne eigene Prüfung übernommen.

In der Prüfung

Dieselben Fehler tauchen nicht mehr auf — das Gelernte trägt offenbar weiter.

Einordnung

Heimliche Nutzung vs. beaufsichtigte Prüfung

Andere Studien zeichnen ein differenzierteres Bild vom Lerneffekt.

Zuhause, mit KI

  • Wird KI heimlich für Hausaufgaben genutzt, sehen die Noten gut aus.
  • Der tatsächliche Lernfortschritt bleibt dabei unklar.

In der Prüfung, ohne KI

  • In beaufsichtigten Prüfungen ohne KI brechen die Leistungen ein.
  • Gute Hausaufgaben-Noten täuschen über Lücken hinweg.
Fazit

Ein Verbot verhindert nicht den Rückstand — es verschiebt das Problem nur in unbeaufsichtigte Situationen.

Sinngemäße Einordnung der Studienergebnisse, zitiert nach heise.de

Entscheidend scheint weniger die Frage „KI ja oder nein“ zu sein, sondern wie Studierende lernen, KI-Vorschläge kritisch zu prüfen und einzuordnen — statt sie blind zu übernehmen oder komplett zu meiden.

Zum Nachlesen

Was bedeutet das für den Unterricht?

Wer KI verbietet, verhindert nicht ihre Nutzung — sondern verlagert sie ins Verborgene. Sinnvoller erscheint ein begleiteter, kritischer Umgang mit KI-Werkzeugen statt eines pauschalen Verbots.

heise.de — KI-Update kompakt Gestaltet in den Basisfarben und der typografischen Anmutung des Corporate Design Baden-Württemberg (Grundlage: design.landbw.de). Keine offizielle Publikation des Landes.