KI-Verbot schadet Studierenden mehr, als es nützt
Eine zweijährige Studie der Vrije Universiteit Amsterdam zeigt: Wer Studierenden den Zugang zu ChatGPT verwehrt, verschafft ihnen keinen Vorteil — im Gegenteil.
Gestaltet in den Basisfarben und der typografischen Anmutung des Corporate Design Baden-Württemberg (Grundlage: design.landbw.de). Keine offizielle Publikation des Landes. · Quelle: heise.de, „KI-Update kompakt“Drei Gruppen, ein Experiment
Diese Gruppe durfte ChatGPT während der gesamten Übung nicht nutzen.
Diese Gruppe bekam KI-Lösungsvorschläge vorgesetzt — ohne Erklärung, wie sie entstanden.
Diese Gruppe erhielt vorab ein gezieltes Training im Umgang mit ChatGPT.
Der Auftrag: einen EU-Gesetzestext verbessern
Der Rechtswissenschaftler Thibault Schrepel (Vrije Universiteit Amsterdam) ließ seinen Jura-Kurs zwei Jahre in Folge denselben Auftrag bearbeiten: einen Paragrafen des EU-KI-Gesetzes zu verbessern. Am Ende schrieben alle Studierenden dieselbe Prüfung — ganz ohne KI-Hilfe.
Verbot bedeutet letzter Platz
Über beide Studienjahre hinweg blieb ein Befund konstant: Die Gruppe ohne jeden KI-Zugang landete in der abschließenden Prüfung immer auf dem letzten Platz.
Fehler aus dem Unterricht verschwanden
Überraschend war das Ergebnis der Gruppe mit fertigen KI-Vorschlägen: Im Unterricht übernahm sie deren Fehler oft unkritisch — in der Prüfung wiederholten sich diese Fehler jedoch nicht.
Vorschläge des KI-Systems werden häufig ohne eigene Prüfung übernommen.
Dieselben Fehler tauchen nicht mehr auf — das Gelernte trägt offenbar weiter.
Heimliche Nutzung vs. beaufsichtigte Prüfung
Andere Studien zeichnen ein differenzierteres Bild vom Lerneffekt.
Zuhause, mit KI
- Wird KI heimlich für Hausaufgaben genutzt, sehen die Noten gut aus.
- Der tatsächliche Lernfortschritt bleibt dabei unklar.
In der Prüfung, ohne KI
- In beaufsichtigten Prüfungen ohne KI brechen die Leistungen ein.
- Gute Hausaufgaben-Noten täuschen über Lücken hinweg.
Ein Verbot verhindert nicht den Rückstand — es verschiebt das Problem nur in unbeaufsichtigte Situationen.
Sinngemäße Einordnung der Studienergebnisse, zitiert nach heise.deEntscheidend scheint weniger die Frage „KI ja oder nein“ zu sein, sondern wie Studierende lernen, KI-Vorschläge kritisch zu prüfen und einzuordnen — statt sie blind zu übernehmen oder komplett zu meiden.
Was bedeutet das für den Unterricht?
Wer KI verbietet, verhindert nicht ihre Nutzung — sondern verlagert sie ins Verborgene. Sinnvoller erscheint ein begleiteter, kritischer Umgang mit KI-Werkzeugen statt eines pauschalen Verbots.
heise.de — KI-Update kompakt Gestaltet in den Basisfarben und der typografischen Anmutung des Corporate Design Baden-Württemberg (Grundlage: design.landbw.de). Keine offizielle Publikation des Landes.